ArToll ist ein Kunst-Ort an ungewöhnlicher Stelle, an der ungewöhnliche Menschen – in der Regel Künstler – ungewöhnliche Dinge tun.

 

Es ist kein Ort etablierter Kunst, mit keinem Museum und mit keiner Galerie vergleichbar. Besucher sollten in ArToll nichts finden, was sie andernorts bereits gesehen haben. Dies ist natürlich ein sehr hoher Anspruch, der aber als allgemeine Zielvorgabe grundsätzliche Bedeutung hat und auch seine historischen Wurzeln in der Region. Etwa in der Fortführung der Ideen und Postulate eines Joseph Beuys, der bekanntermaßen aus der Region stammt und den erweiterten Kunstbegriff prägte, die soziale Plastik und in jedem Menschen den potentiellen Künstler sah, der kreativer Gestalter seines jeweiligen Umfeldes sein kann und somit, gleich welcher Profession auch immer, soziale Kunstwerke schafft.

 

Dies bekommt auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken in Bedburg-Hau, dort, wo sich ArToll als ehemalige psychiatrische Krankenstation befindet, einen weiteren wesentlichen Aspekt, der sich durchaus auch in den Inhalten von Beuys wiederfindet: Der kreative, gestalterische Prozess nicht nur als soziale Plastik, sondern auch als Akt der Selbstfindung oder gar der Heilung.

 

 

Die Situation in ArToll fördert diese Prozesse. Die Künstler, die zu den jeweiligen Projekten eingeladen werden, haben die Möglichkeit im Haus zu wohnen, gemeinsam zu arbeiten und Neues zu entwickeln. Der Ort inspiriert, aber er berührt auch. Die Folge sind Entwicklungen, die sich häufig als Raumgestaltungen darstellen, Auseinandersetzung mit Raum und Ort und dem Selbst.

 

Kunstwerke sind immer Ausdruck der persönlichen Geschichte des Künstlers und mehr oder weniger Spiegel seiner Gesamtpersönlichkeit. Im ArToll werden diese Bezüge aber deutlicher, weil sich ihnen keiner entziehen kann, nicht der Schaffende und nicht der Betrachter. ArToll ist deshalb nicht nur ein besonderer Ort des Austausches unter Künstler-Kollegen, sondern eben auch mit dem Publikum.

 

Wenn der Besucher die Bereitschaft mitbringt, sich auf das Neue, Ungewöhnliche einzulassen, seinen Geschmack zu verfeinern, seine Sinne zu erweitern, dann kann er unmittelbar von der gesellschaftlichen Bedeutung der Kunst profitieren, die eben nicht nur das Schöne repräsentiert, sondern das Kreative, das Öffnende und Erweiternde, das Alternative, das sonst in unserer Gesellschaft kaum noch Platz hat. Insofern möchte ArToll ein Ort der Analyse und Neuschöpfung sein, ein Labor: ArToll Kunstlabor.

 

Uwe Dönisch-Seidel,

Vorsitzender des ArToll Kunstlabors e.V.

von 1996 - 2011